Gone Foto-Hiking (Tamrac Backback Review)

Aktuell zap ich durch die „How to“-Videos zum Thema Fotografie und stieß dabei auf einige Reviews der diversen Foto-Taschen und -Backpacks. Allerdings scheint mir haben die meisten die Rucksäcke und Taschen dafür nicht wirklich unterwegs im Einsatz gehabt. Meine erste Begegnung mit einem Fotobackpack war mit einem Lowpro und obwohl das Gadget einen praktischen und soliden Eindruck macht, wenn man es so in der Vorstellung sieht, hat es eine ganz entscheidende Schachstelle. Im Alltag ist man oft genug nicht mit dem Kopf bei den Quirks der Tasche sondern auf das Motiv und das Terrain konzentriert, insbesondere wenn man querfeldein unterwegs ist. Wer hier gerade einen steilen Hang hinaufkrackselt und hinter sich ein atemberaubendes Panorama entdeckt, hat nicht unbedingt seinen Kopf bei den Rahmenbedingungen seiner Tasche und schwupps wird nicht darauf geachtet, ob die Sicherheitslasche eingeklinkt ist, die einen davor bewahren soll, die Lasche der Tasche zu weit zu öffnen. Schwupps hat man den Reissverschuß ein Stück zu weit geöffnet und plumps — da kullert das teure Teleobjektiv aus der Tasche und den Hang hinunter. Nein. So ist es mir nicht ergangen. Als das Tele in einem kurzen, unachtsamen Moment _mir_ aus der Tasche kullerte, waren es nur wenige Zentimeter bis zum kalten, harten Asphalt meiner Heimatstadt. Dennoch war mein Schrecken groß und ich fürchtete schon das Objektiv abschreiben zu können. Damit war der Lowpro Fotobackback für mich gestorben. Er ist jetzt die Aufbewahrungstasche für Zuhause für meine erste selbst mit Taschengeld und Aushilfsfjobs als Schülerin ersparte Spiegelreflexkamera.

Begeistert bin ich vom tamrac evolution (ich habe den kleinen 6er).

Wenn ich losziehe habe ich den Rucksack gewöhnlich noch auf dem Rücken mit beiden Gurten auf den Schultern, erst mit dem ersten Motiv, das mir begegnet, wechsle ich in den Slingshot-Modus des Rucksacks. Und das schöne am tamrac ist, dass er nun mehr einer Fototasche gleicht als einem Fotorucksack und dabei die Sicherheit für die Ausrüstung bietet, die bei empfindlicher Fotoausrüstung einfach ein Muss ist.

Das folgende Bild zeigt meine übliche Ausgangsituation, wenn ich die Kamera via seitlicher Lasche der Foto-Slingshot-Tasche (~Backpack) entnehme:

Tamrac - Stauraum in der Seite (Slingpack Rechtshänder unten)

Was habe ich sonst wo verstaut?

Tamrac - Objektive via Frontlasche

Via Frontlasche komme ich an das große Tele- und das Weitwinkel-Objektiv. Die beiden Filter-Täschchen sind seitlich und (wie man sieht) bequem von vorn zugänglich. Meist, wenn ich die Kamera dann um den Hals oder über die Schulter trage, habe ich die beiden Objektive aus ihrem angestammten Platz genommen und ins Fächle via Seitenlasche umgepackt, so dass der Objektivwechsel schnell und sicher ausgeführt werden kann. Dabei entsteht zwar ein kleines Chaos bei dem Objektive im Seitenfach kreuz und quer umher kullern. Nur gut, dass sie leichter zu unterscheiden sind als europäisches Wechselgeld. Die Objektive lose und ungeordnet hinter der Seitenlasche ist besser als beim Objektivwechsel auf die Frontlasche zugreifen zu müssen und mangels dritten und vierten Arm recht unbeholfen mit Tasche, Kamera und Objektiv einen recht ungelenken Twist abzukrampfen oder aber den Rucksack in stabiler Lage irgendwo ablegen zu müssen … womöglich optionslos in feuchten Moder&Dreck, den man anschließend fast unvermeidlich via Rucksack über die Kleidung verteilt.

Über der großen Seitenlasche zum Hauptfach ist noch eine kleine Seitenlasche mit Fächern, die ich für Ersatzakkus und Fernauslöser, Batterien (für die Canon Powershot, die kleine Immer-dabei-Hosentaschenkamera) und Ersatzspeicherkarten nutze.

Stauraum in der Seite (Slingback Rechtshänder unten)

Der Tamrac evolution hat beidseitig Laschen, um an das mit Polstern und Klettverschlüssen unterteilte Hauptfach zu gelangen. Das rechte Fach ist bei mir das untere Fach, wenn ich den Rucksack als Slingshot trage und damit beherbergt dieser Teil die von mir nur wenig genutzten Dinge wie Blitz, exotische Filter und Winkel-Okular. Auf dieser Seite befindet sich auch das Fach mit dem Regenschutz für den Rucksack.

Bleibt das Fach frontal über dem Hauptfach.

Stauraum im Fächle oben

Hier habe ich derzeit den Regenschutz für mich, wenn ich bei schönem Wetter losziehe und von schlechtem Wetter überrascht werde, Ein Fernglas und einen McKinley Reserverucksack für Fundsachen (Zapfen, Steine, etc.), kleine Einkäufe, wenn man auf dem Rückweg am Supermarkt vorbeischlendert oder Andenken und Geschenke für Daheimgebliebene, die man im Urlaub am Wegesrand shoppen geht. Da man den tamrac als Slingshot tragen kann, kann der Reserverucksack auch etwas voller und schwerer werden. So genießt man weiterhin die erforderlichen Armfreiheit für Fotoshoots. Allerdings gleicht man Heimatvertriebenen, die nur retten konnten, was sie am Körper zu tragen vermochten. Wer Kontaktscheu ist, das ist ein guter Weg mit Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Die halten der Neugier nicht lange Stand, was es mit der seltsamen Person mit dem Taschengebammel und der Kamera auf sich habe.

Tamracs Plan für den Transport des Stativs habe ich getestet, aber zumindest mit meinen Stativen (Drei~ & Einbein~) ist das eher ein elendes Heckmeck, so dass ich das lieber separat in einem Stativ-Köcher mitführe. Womit ich dann auch gleich zusätzlichen Stauraum für ein Einbeinstativ (unterwegs gewöhnlich mehr Spazierstock als Fotostativ) und einer Bastmatte habe. Eine Bastmatte ist leicht und geeignet, um nicht in jeden Dreck liegen zu müssen, wenn man z.B. dem Käfer am Wege Auge in Auge begegnen will und auf dessen Augenhöhe in den Pixelspeicher bannen möchte.

Stativköcher mit Ein- und Dreibeinstativ und Bastmatte

Irgendwann werde ich vielleicht mal noch testen, ob ich nicht die seitlichen kleinen Schlaufen am tamprac evolution dafür nutzen kann, einen geeigneten steiferen Köcher anzubringen, in dem dann das Stativ einen sicheren und leicht zugänglichen Platz hat, so dass ich nicht mehr das Gewurschtel habe mit Slingpack, ReserveRucksack und Stativköcher und womöglich noch einer keinen Handtasche – so nicht selten auf Santorini der Fall – bei dem man sich merken muss, in welcher Reihenfolge man sich das Gebammel an den Körper gehängt hat, wenn man sich zum Essen in das Gartenlokal oder Restaurant setzt.

Prall vollgestopft ist der tamrac ein klein wenig zu groß für die Mindestmaße der Handgepäcksbestimmungen, wobei auf dem Hin- und Rückflug Stuttgart – Athen hatte ich damit keine Probleme. Ich gehe davon aus, dass man schon an sehr übel gelauntes Personal geraten muss, dass die 2-5 cm zum echten Problem werden.

Apropos Handgepäck — unsicher wie strikt Fluggesellschaften die Handgepäcksregel beachten / durchsetzen und welche Rolle die Damenhandtasche dabei spielt, wie groß eine Damenhandtasche sein darf, wenn die Dame einen Fotorucksack mitführt, habe ich das Thema elegant umgangen, indem ich die Taschen einer Fotografenweste vollstopfte. Diese Weste – ebenfalls ein tamrac Product – ist ein Wunder der Staufähigkeit. Die Innentaschen fassen ein Mininotebook, Skizzenblöcke, eReader oder Paperback-Reiselektüre, eigentlich den kompletten Inhalt eines Malerköfferle mit Farben und Pinseln und Federmäppchen. In alle anderen Taschen bringt man dann Schminktäschchen, was man so in einen kleinen Handkoffer für die erste Nacht packt, sollte der Koffer eine andere Route nehmen als man selbst, Erste Hilfe Apotheke und Notiz~/Skizzenbuch, Sprachführer, Straßenkarte des Zielortes sowie die sonstige kleine Elektroniksammlung des modernen Menschen. Bis auf das Schminktäschchen hatte ich das in der Tat alles in der Weste. Allerdings geht das Gewicht auf die Nackenmuskeln – dafür ist die Weste dann doch nicht ausgelegt. Der Inhalt wanderte am Zielflughafen von der Weste in den ReserveRucksack. Voila, Handgepäckdilemma der Economy-Class umschifft.

Neben einer Schultergurt-Versteifung, ~verstärkung / Nackenpolsterung ist bei der tamrac Fotografenweste noch etwas verbesserungsbedürftig – so sieht das Schwarz nach nur einem Urlaub in der noch recht milden Fruhjahrssonne des griechischen Mittelmeeres aus:

Tamrac Fotografenweste sonnengebleicht

Und wie sieht es mit den Gebrauchsspuren des Backpacks aus? Erstaunlich gut. Zwar geht auch am tamrac evolution 6 das auf und ab, hin und her, das Zuggeschrubbel eines Gepäckfaches, das rein und raus aus dem Kofferraum des Autos nicht spurlos vorbei …

Gebrauchsspuren an der Stativfußtasche bei intensiver Nutztung

Das ist bislang alles, das vom bewegten Leben des Rucksacks erzählt. Alle anderen Stellen zeigen noch keine Abnutzung. Respekt.

Alles in allem ist dieser Rucksack sein Geld wert.
Anschaffungspreis ca. 80 €, bzw. ca. US $ 110 bzw. ca. £ 80

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